Montag, 26. März 2012

Death Wish V - Antlitz des Todes / The Face of Death (Allan A. Goldstein, USA 1994)


Der Architekt Paul Kersey (Charles Bronson) hat bereits so einige Schicksalsschläge in seinem Leben hinnehmen müssen: mehrere ihm nahe stehende Personen, Freunde und Familienmitglieder sind durch die Hände von Verbrechern getötet worden (siehe DEATH WISH 1-4). Da die Staatsmacht sich entweder unfähig zeigte oder selbst ohnmächtig gegenüber der katastrophalen Lage im Lande war, sah er sich gezwungen, den Revolver aus dem Schrank und das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen. So hat sich Kersey mit der Zeit einen zweifelhaften Ruf erarbeitet und ist unter dem Namen Der Rächer bekannt geworden. Jedoch hat er nun seinem blutigen Handwerk abgeschworen, geht erneut seinem Beruf nach und ist wieder eine feste Beziehung eingegangen. Die Modedesignerin Olivia Regent (Lesley-Anne Down) ist seine Lebensgefährtin, die er zu ehelichen gedenkt. Allerdings hat diese großen Ärger mit ihrem Ex-Gatten Tommy O'Shea (ein toller Michael Parks), der sich in ihre Geschäfte drängt; ein skrupelloser Gangster der rücksichtslosesten Sorte, der sie wegen des Sorgerechtsstreits um die gemeinsame Tochter Chelsea von einem Handlanger auf üble Art einschüchtern lässt, indem dieser sie erst im Gesicht verstümmelt und anschließend missbraucht. Kersey will die Angelegenheit zunächst der Polizei überlassen, doch der fehlen mal wieder die Beweise, um den Mann im Hintergrund zu verhaften. Als die Gangster schließlich in sein Haus eindringen, in einem großen Feuergefecht Olivia auf der Flucht erschossen wird, und anschließend, die Polizei wieder ohne Handhabe, auch noch die Tochter gegen ihren Willen zu ihrem leiblichen Vater gebracht wird, scheint Paul Kersey nichts anderes übrig zu bleiben, als erneut selbst für Gerechtigkeit zu sorgen.

Wieder einmal sind es die persönlichen, familiären Schicksalsschläge, gepaart mit der totalen Unfähigkeit der Ordnungsmacht, die Kersey zur Waffe greifen lassen. Hier geh es um Rache, um ein subjektiv empfundenes Gerechtigkeitsbedürfnis, das nach einem Ausgleich strebt, das über dem Recht steht. Und freilich wird auch in diesem fünften Teil der Reihe der Zuschauer so konditioniert und manipuliert, dass Kerseys Handeln, wenn nicht tolerabel, zumindest nachvollziehbar und verständlich erscheint. Nachdem Teil 4 durch eine völlig uninspirierte Bildregie (alleine schon die dröge Eröffnungsszene in der Tiefgarage!) Verdruß heraufbeschwor, ist Teil 5 zumindest handwerklich solide geraten. Die Actionszenen sind formidabel und nur einmal unfreiwillig komisch, als Kersey sich bei der Home Invasion immer wieder im Kugelhagel abduckt und mehrere Regale mit Vasen zerschossen werden - und das mehrmals in Folge wohlgemerkt, auf jedem Treppenabsatz erneut, als der Held vor den Schießenden in Richtung Dachgeschoß flüchtet.

Weniger überzeugend ist die Abkehr vom Prinzip des Mannes mit der Waffe. Das Hauptaugenmerk von Kerseys Killerspree liegt in diesem Film auf einer Tendenz zum kreativen Töten, etwa durch die Verwendung von Gift, oder durch den Gebrauch eines (ja!) ferngesteuerten Fußballs, den der durch seine Sicherheitsanlage alarmierte Dandruff-Gangster (mit Tolle und Schuppenproblemen) im Hof seines Designerhauses aufhebt um ihn zurück über den Zaun zu werfen. Kersey steht hinter diesem, mit einer Fernsteuerung in der Hand und drückt den roten Knopf. Explosion des Gangsters. Das ist zwar recht originell, dafür aber weit weg von der einfachen Duellsituation mit der Schusswaffe, die frühere Racheszenen bestimmte. Soll heißen: somit entfällt auch ein markantes Anspielen auf den übernommenen Westernmythos, wie man das bereits aus früheren Filmen kannte (ganz besonders deutlich im überdrehten 3. Teil, dem RÄCHER VON NEW YORK, in dem die Mitglieder der terrorisierenden Gang sogar eine (indianische) Kriegsbemalung tragen) und wird abgelöst von einer James-Bond-Dramaturgie des creative killing, die sich vor allem im Spektakelgehalt ihrer Darstellung erschöpft. Ein weiteres Beispiel wäre Kerseys sadistische Idee am Ende des Films, einen der Gangster zum Opfer der Zellophaneinpackmaschine zu machen - eingewickelt bekommt dieser freilich keine Luft mehr und muss ersticken. Kersey gönnt ihm dann zynischer Weise noch ein wenig Lebenszeit, hängt ihn dafür aber an die Rotationsmaschine, wo er dann von dem nachfolgenden Bösewicht erschossen wird. Ein weiterer Gegner landet wenig später im Säurebad.

Abschließend bleibt mir noch zu sagen, dass Charles Bronson in diesem letzten Teil der DEATH WISH-Filme nun aber auch eindeutig das Rentenalter des Vigilantendaseins erreicht hat. So richtig will man ihm seine Rüstigkeit nicht mehr abnehmen (vermeidet er deswegen das Duell?), auch seine Wirkung auf die deutlich jüngere Olivia ist etwas zweifelhaft. Dennoch haben wir es hier mit einem Abschluß in Würden zu tun, denn der Film hat nach dem schwächeren 4. Teil wieder deutlich mehr Energie und kommt niemals unbeholfen daher. Vom Konzept des Großstadtfilms ist jedoch, nun ganz am Ende, leider nicht mehr viel übrig geblieben. Hier scheint schon ein ordentlicher Bruch durch die Reihe zu gehen, was sicherlich auch durch die Entstehungszeit bedingt ist. Schade. Ein Hubschrauberflug über den Moloch mit Synthieklängen der 80er wäre als Selbstzitat angemessen gewesen. So geht Paul Kersey eben nur ins Gegenlicht hinein, ins Jenseits vielleicht, oder in die Erlösung. In der Hölle ist also noch Platz. Oder im Himmel.